Anleitung zum Liebesbrief

„Hallo mein kleines Mausezähnchen, …“. Hach, gibt es denn etwas Romantischeres, als mit dem Beißwerkzeug eines Nagetiers verglichen zu werden? Bestimmt! Was Sie beim Verfassen eines Liebesbriefes oder -mails beachten müssen, lesen Sie hier.

Für alle Realisten, die mit Romantik wenig anfangen können, gibt es gute News: Ein Liebesbrief funktioniert wie ein Werbebrief. Dabei bringen Sie das beste Produkt an den Mann oder die Frau: sich selbst! Als erstes definieren Sie die Zielgruppe. Das sollte relativ einfach sein – im Normalfall gibt es nur ein einziges Ziel der Begierde. Überlegen Sie, wie diese Person tickt und was sie mag. Was wollen Sie mit dem Schreiben erreichen? Möchten Sie Interesse wecken oder zu einem Date einladen?

Die perfekte Anrede, aber Hallo!

Nun heißt es den Stift zücken und den Gefühlen freien Lauf lassen. Aber Achtung vor zu überschwänglichen Begrüßungen: „Bärli“, „Mausi“ und „Schatziputzi“ können abschrecken, wenn diese zu früh eingesetzt werden. Belassen Sie es vorerst bei der Nennung des Namens. Verzichten Sie auf Verniedlichungen – es sei denn, das Eis ist schon gebrochen und Sie nennen Ihren Schwarm tatsächlich „Klausilein“ oder „Marlenchen“. Falls Sie bereits in einer Beziehung mit dem Briefempfänger stecken, sind Kosenamen natürlich keine Grenzen gesetzt.

Ein einfaches „Hallo Peter“ ist einem „Sehr geehrter Peter“ auf jeden Fall vorzuziehen. Bei „Hallo meine Doris“ gilt es Acht zu geben. „Mein“ wirkt nämlich besitzergreifend. Fangen Sie die Begrüßung besser mit „Liebe Doris“ an. Das „Liebe“ bringt die Leserin gleich auf die richtige Spur.

Holen Sie die Sterne vom Himmel

Machen Sie Ihrer Zielgruppe die „leserbezogenen Vorteile“ klar. Erörtern Sie, warum gerade Sie das beste Pferd im Stall sind und was Sie der oder dem Liebsten bieten können. Vorsicht: Der Grat zwischen guter Werbung und Angeberei ist schmal. Überfordern Sie Ihr Gegenüber auch nicht mit fix vorgefertigten Zukunftsvisionen.

Ein Liebesbrief sollte in erster Linie keine Selbstbeweihräucherung sein, sondern eine Hommage an den Schatz. Greifen Sie darum tief in die Komplimente-Kiste. Je einzigartiger und außergewöhnlicher die Komplimente, umso besser. Schöne Augen, bezauberndes Lächeln – das ist 08/15. Sie können das besser! Erzählen Sie von dem Moment, als Sie Ihr Gegenüber das erste Mal sahen. Beschreiben Sie, wie Sie sich in dem Moment fühlten, als Sie Ihr Herz verloren haben. Erwähnen Sie scheinbar unwichtige Details, das macht Ihren Text einzigartig und authentisch!

Zu guter Letzt: Machen Sie Schluss!

Mit Ihrem Schreiben wollen Sie eine Reaktion hervorrufen – im Bestfall sollen Gefühle erwidert werden. Formulieren Sie darum klar Ihre Erwartungen. „Vielleicht meldest du dich ja mal“ wirkt unsicher. Ein „Hier ist meine Nummer. Es freut mich, wenn du dich meldest“ ist hingegen eine eindeutige Aufforderung. Nun liegt es am Anderen, zu reagieren.

Zusammenfassend: Begrüßen Sie Ihr Gegenüber locker. Der Schreibstil sollte einer realen Kommunikation gleichen. Überfordern Sie die Leserin oder den Leser nicht mit Liebesschwüren und übertriebener Selbstdarstellung, sondern verzaubern Sie mit Witz und Charme. Überprüfen Sie das Ende: Ist klar, wie der Empfänger reagieren soll? Wenn ja, dann steht dem Liebesglück – fast – nichts mehr im Wege.

PS: Dieser Text ist angelehnt an den lesenswerten Ratgeber „Einfach besser texten: Techniken für professionelleres Schreiben“ von Stefan Gottschling, 2. Auflage 2007.

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