„Nachhaltigkeitsberichte werden wesentlicher“

Nachhaltigkeitsbericht

Informativ, kompakt, integriert – die Anforderungen an Nachhaltigkeitsberichte steigen. Coudenhove-Kalergi im Interview.

Wie verantwortlich agiert ein Unternehmen? Im 21. Jahrhundert ist es wichtiger denn je, auf diese Frage eine eindeutige Antwort zu geben. Ethik-Expertin Barbara Coudenhove-Kalergi vom Center for Responsible Management zeigt Trends in der Nachhaltigkeitsberichterstattung auf.

Schreibagentur: Was sind die neuesten Entwicklungen in der Welt der Nachhaltigkeitsberichte?

Coudenhove-Kalergi: Aktuell bietet die Global Reporting Initiative (GRI) den meist genutzten Kriterienkatalog, nach dessen Richtlinien berichtet wird. Im Frühjahr des vergangenen Jahres hat die Initiative den G4-Reporting Standard veröffentlicht – ich finde, das ist eine große qualitative Weiterentwicklung.

Schreibagentur: Welche bedeutenden Veränderungen bringt G4?

Coudenhove-Kalergi: Der Faktor Wesentlichkeit rückt in den Fokus. Anders als bisher gilt es jetzt nicht mehr, im Nachhaltigkeitsbericht eine möglichst große Bandbreite an Indikatoren abzuhaken. Vielmehr konzentrieren sich Berichte nun auf einzelne Schwerpunkte, die vorab vom Unternehmen definiert werden. Der gesamte Prozess der Themenfindung ist stark am Prinzip der Wesentlichkeit ausgerichtet. Auch das gilt es transparent darzustellen – warum sind diese oder jene Themen für das Unternehmen wesentlich? Wie stehen die Stakeholder dazu? Dazu kommt eine detaillierte Beschreibung des Management-Ansatzes – also wie geht das Unternehmen dann mit den wesentlichen Themen und Aspekten um.

Schreibagentur: Welche Chancen und Herausforderungen ergeben sich dadurch für Unternehmen?

Coudenhove-Kalergi: Wir werden in Zukunft Berichte sehen, die sich auf die wirklich wichtigen ökonomischen, ökologischen und sozialen Auswirkungen der Unternehmen konzentrieren. Damit werden Berichte glaubwürdiger. Der G4-Reporting Standard wird Unternehmen helfen, ihre Nachhaltigkeitsstrategien weiterzuentwickeln und effizienter zu gestalten. Natürlich steckt hinter diesem Zugang nun auch eine andere Logik, auf die sich ein Unternehmen Schritt für Schritt einstellen muss.

Schreibagentur: Neben G4 ist das Thema „Integrated Reporting“ – die Verbindung von Nachhaltigkeitsbericht und Geschäftsbericht – vieldiskutiert. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Coudenhove-Kalergi: Integrated Reporting ist in aller Munde. Doch das optimale Rezept wurde noch nicht gefunden, es wird daran gearbeitet. Fakt ist: Nachhaltigkeitsbericht plus Geschäftsbericht ergibt nicht automatisch einen integrierten Bericht! Es geht vielmehr um die tatsächliche und intelligente Verlinkung von Nachhaltigkeitsthemen mit den finanziellen Zielen. Das Ziel ist ein kompakter Bericht, der die Handlungsoptionen eines Unternehmens nach dem gesellschaftlichen Nutzen beleuchtet und nicht nur rein nach Finanzkennzahlen. Den Leserinnen und Lesern wird damit zusätzliches Wissen bereitgestellt, mit dem sie letztendlich auch den Wert eines Unternehmens besser beurteilen können. Gute Ansätze dafür sind noch rar. Ein Beispiel in Österreich ist die Palfinger AG, die in ihrem integrierten Bericht auch den G4-Standard einbindet.

Vielen Dank für das interessante Gespräch!

Über das Center for Responsible Management

Das Center for Responsible Management ist ein Kooperationspartner der Schreibagentur. Der 2012 von Gabriele Faber-Wiener und Barbara Coudenhove-Kalergi gegründete Think Tank bietet Information, Lehre und Beratung zu Ethik- und Wertemanagement. responsible-management.at

Ideen, aber keine Worte?

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